TagundTao

heute vor 4 Jahren ist Theo gestorben. Der untenstehende Artikel ist der letzte Leitartikel aus dem letzten TagundTao Heft. Geschrieben also im Oktober 2012, als er schon krank war, aber immer noch einen ungeheuren Lebenswillen hatte.

Heft 74 November/Dezember 2012

Liebe Leserin, lieber Leser,

diesen letzten Leitartikel schreibe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Mit einem lachenden, weil mit diesen Zeilen die Last von 8 Jahren Terminzwang von meinen Schultern fällt. Als das Heft noch monatlich erschien, war es manchmal ein Wettlauf mit der Zeit, die Texte alle fertig zu schreiben und dann noch mit den unzulänglichen Mitteln eines kleinen Laser-Druckers tausend und mehr Blatt Papier doppelseitig zu drucken. Wenn der Drucker nach einigen hundert Seiten heiß lief, arbeitete er speziell bei den Rückseiten nicht mehr richtig, und es gab jedes Mal eine Menge Ausschuss. Auch der Verbrauch an Druckpatronen war beachtlich – es war Monat für Monat eine Zitterpartie, überhaupt die Kosten einzufahren.

Aber dies alles habe ich auf mich genommen, denn ich habe TAGundTAO geliebt, und als voriges Jahr ein Freund als Sponsor auftrat und Druck und Versand des Heftes von Deutschland aus übernahm, war ich für den Rest der Laufzeit zum ersten Mal von dieser Kostenbelastung befreit, und es blieb ein bescheidener Erlös übrig……

Ich schreibe nun schon seit 30 Jahren und möchte es beim Verfassen meiner Bücher gemütlicher angehen lassen. Das weinende Auge ist der Abschied von Ihnen, meinen Leserinnen und Lesern……

Im freien Beruf gehört immer ein gehöriges Maß an Selbstdisziplin dazu, sich an die Arbeit zu machen, auch an Tagen, an denen man keine besondere Lust dazu hat. Dies alles wird mir bis zu einem gewissen Grad fehlen – und ich bin mir gar nicht sicher, ob ich es nicht zwischendurch vermissen werde. Falls dies eintreten sollte, dann werde ich immerhin bereit sein, dies zuzugeben. Last not least: Tief im Inneren spüre ich dennoch, dass meine Entscheidung richtig ist, und ich habe sie nicht allein getroffen, sondern die Sache auch ausführlich mit Sabine besprochen……..

Was bleibt noch zu sagen? Dass Sie aufhören sollen, zu werden, auch wenn ich nicht mehr als der zweimonatliche Mahner auftrete, der versucht Ihnen alle derartigen Bemühungen auszureden.

Und zwar deshalb auszureden, Sie zu bitten, es sein zu lassen – weil Sie in allen Belangen geistiger Entwicklung selber das Problem sind. Eine emotionale Enthauptung ist aber nicht der Sinn der Sache. Gerade weil die taoistischen Grundgedanken in der Literatur vielfach mit den Denkmodellen des Zen vermischt werden, ist es schwierig zu erkennen, dass es eigentlich kein funktionierendes Mittel gibt, zum Beispiel Erleuchtung zu erlangen.

Viel wichtiger wäre, dass Sie eine fundamentale Tatsache in Ihr Leben und Denken einbringen: Nämlich, dass das Tao, der unbekannte, unbeschreibliche Verursacher allen Seins und Sie keine zwei Paar Stiefel sind, um es einmal volkstümlich auszudrücken.

Das Tao und Sie sind ein und derselbe Vorgang, es gibt nur diese eine Identität, die sich nur durch Ihre individuellen Eigenarten, wie Geschlecht und Körperbeschaffenheit vom Rest der Welt unterscheiden.

Aber Ihr Geist ist der Geist des Grundes, Ihr Bewusstsein ist das Bewusstsein, mit dem das Tao sich selber erfährt und dem Schöpfungsgedanken überhaupt erst seinen Sinn verleiht.

Die Philosophie vom Tao ist nicht deshalb so schwer zu verstehen, weil sie so kompliziert und verwickelt ist – sie ist schwer, beinahe kaum zu verstehen, weil sie so einfach ist. Einfach zwar, aber in ihren Inhalten so gewaltig, dass der kleinliche Menschenverstand es einfach nicht realisiert und in seine Alltagspraxis samt ihren Problemen und Kämpfen einbezieht. Sobald Ihnen das Letztere gelingt, sind Sie angekommen. Da braucht es dann kein Ringen um Veränderung Ihres Inneren mehr – denn dieser Wandel wird sich unter dem Schirm der Erkenntnis der Wahrheit still und leise und ganz von selbst vollziehen.

Mehr Worte, dies alles verständlich zu machen, habe ich nicht.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie es in Ihrem Leben umsetzen können.

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6 Kommentare zu TagundTao

  1. Claudia sagt:

    Nicht werden wollen. Sein.

    –>Einfach. Schön.

  2. Alles Sagbare ward gesagt
    Denkbares ward gedacht
    Darstellbares ward dargestellt

    Erfahrbares ward erfahren
    die ewige Acht ward gemacht
    keine Delle mehr in der Baustelle

    Unfassbar und doch existent
    wie das Rauschen einer Welle
    im Meer der Stille – Das TAO

    Theo in unseren Herzen,
    hallt in unseren Gedanken nach,
    untrennbar mit dem ewigen TAO

  3. Karl Gamper sagt:

    Ihnen den Segen des Himmels – liebe Sabine
    Karl Gamper

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