Ein Hauch von Feng shui und Rutengängerei


Was ich berichten möchte, hat eine kleine Vorgeschichte, also muss ich ein wenig ausholen, ehe ich zur Sache komme: Kürzlich ist nach jahrelanger Pflichterfüllung mein Computer still entschlafen. Sabine besitzt seit vorigem Jahr einen neuen und wir beschlossen, dass ich ihn bekomme und sie sich dafür ein Notebook anschafft. Ihr Arbeitszimmer befindet sich im oberen Stockwerk unseres zweigeschossigen Hauses. Da Sabine infolge des Wechsels den sperrigen Computer-Arbeitstisch samt dem Rollboy für den Drucker nicht mehr braucht, hat sie ihr Zimmer umgeräumt. Und damit nähern wir uns bereits der Pointe. Vorher stand in der linken Ecke nahe dem Fenster eine Liege. Diese wechselte ihren Platz und steht seit etlichen Tagen auf der gegenüber liegenden Seite des Raumes. In den Jahren zuvor – bis zum Wechsel – war das Liegemöbel von unseren Katzen so gut wie nie beachtet worden. Aber seitdem das gute Stück auf der anderen Seite steht, liegen Tag für Tag und Nacht für Nacht bis zu drei Katzen zusammengerollt auf der Liege und schlafen und träumen von ihren Abenteuern.

Wir überlegten uns, woher wohl dieses plötzliche, so intensive Interesse am neuen Platz der Liege kommen könnte. Ob Feng shui vielleicht doch heimliche Signale aussandte? Und heute früh hatte Sabine mit einem Mal eine interessante Einsicht: Im Untergeschoss, genau am Platz, an dem sich die Liege befindet, steht ein gemauerter Brunnen, der kontinuierlich Wasser führt, und zwar sowohl vom Grund her gespeist wird als auch über eine Regenrinne. Offenbar haben die Katzen tatsächlich gespürt, dass hier ein anderes Milieu gewisser Strahlungen existiert als auf der gegenüber liegenden, kaum beachteten Seite. Ihr Verhalten erinnerte uns an Rutengänger: die hölzerne Gabel in deren Händen weiß nichts von Wasser oder Strahlung – sie verstärkt nur jenes Wissen, das der Mensch, der sie hält, selber besitzt. In diesem Sinne könnte man unsere Kätzchen durchaus für pelzige Rutengängerinnen halten.

Ich selbst habe von Feng shui zwar schon viel gehört und etliche Leserinnen und Leser praktizieren es beratend oder orientieren sich an diesen Prinzipien der Wohnraumgestaltung. Aber wir haben uns im Grunde keine Gedanken in dieser Richtung gemacht, wir stellen Möbel samt Betten so hin, wie es uns vom ästhetischen Standpunkt aus am harmonischsten erscheint. Ich weiß, dass im Gegensatz zum Rutengehen beim Feng shui Strahlungen und Wasseradern bei der Gestaltung von Wohnräumen keine Rolle spielen – was damit zusammenhängen mag, dass das Feng shui aus dem Osten kommt, während Rute und Pendeln eine rein westliche Angelegenheit sind. Wir selbst lassen uns freilich von keiner der beiden Schulen bange machen – wir gestalten unsere Räume nach Geschmack und Wohlbehagen. Das Verhalten unserer Katzen stimmt aber schon nachdenklich, wenn man überlegt, wie unsensibel wir selbst auf Einflüsse dieser Art reagieren. Ich habe mich noch nie auf dieser Liege ausgeruht, aber es ist höchst unwahrscheinlich, dass ich bei einer etwaigen Benutzung einen Unterschied zwischen dem alten und dem neuen Standort bemerkt hätte. Unsere kleine Hündin Elsa dagegen scheint dies zu tun. Als die Liege noch auf der rechten Seite stand, schlief sie nachts immer darauf. Aber seit der Umstellung weigert Elsa sich, auch nur für zehn Minuten dort zu liegen. Und da fühlen wir uns als die selbsternannte Krone der Schöpfung den Tieren so sehr überlegen. Ich denke, ein wenig mehr Achtsamkeit und Bereitschaft, auf die eigenen Instinkte zu hören, hätte manchen von uns auch auf anderen Gebieten schon vor Misserfolgen bewahrt. Aber man kann ja jederzeit etwas dazu lernen.

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5 Responses to Ein Hauch von Feng shui und Rutengängerei

  1. Matthias sagt:

    Hallo Herr Fischer,

    „Ich habe mich noch nie auf dieser Liege ausgeruht, aber es ist höchst unwahrscheinlich, dass ich bei einer etwaigen Benutzung einen Unterschied zwischen dem alten und dem neuen Standort bemerkt hätte.“

    Es käme auf einen Versuch an. Der braucht aber Zeit und Muße. In der Regel haben wir die nicht oder nehmen sie uns nicht, wenn wir Zimmer einrichten. Voraussetzung ist natürlich auch, dass das Zimmer hinsichtlich Größe, Form und Fenster-/Tür-Anordnung überhaupt verschiedene Aufstellungsvarianten zulässt.

    Dass Sie sich noch nie auf der Liege ausgeruht haben, könnte ja ein Indiz dafür sein, dass Sie sehr wohl irgendeinem inneren Impuls gefolgt sind – vorausgesetzt, die Liege selbst ist einladend genug.

    Das erinnert mich an eine Situation, die Carlos Castaneda in seinem Buch „Die Lehren des Don Juan. Ein Yaqui-Weg des Wissens“ schildert: Eine der ersten Aufgaben, die er im Rahmen seiner schamanischen Ausbildung erhält, ist die Suche nach einem Kraftplatz in der Umgebung der Hütte, wo er sich gerade mit seinem Lehrer befindet. Als Wissenschaftler findet er das unsinnig. Aber er macht sich an die Aufgabe und nach Stunden immer ausgefallenerer Aktionen und immer stärkerer Zweifel an der Sinnhaftigkeit seines Tuns bleibt Castaneda schließlich erschöpft an einer Stelle der Veranda sitzen. Und sein Lehrer bestätigt dies als seinen Kraftort.

    Wie gesagt, es bedarf Zeit und Muße.

    Und Ihrer Aussage kann ich nur vorbehaltlos zustimmen:
    „Ich denke, ein wenig mehr Achtsamkeit und Bereitschaft, auf die eigenen Instinkte zu hören, hätte manchen von uns auch auf anderen Gebieten schon vor Misserfolgen bewahrt.“

    Herzliche Grüße,
    Matthias

    • Taononymus sagt:

      Hi,

      was neben fehlender Zeit und Muße das Gestalten von Wohnräumen oft zusätzlich behindert ist der Besitz viel zu vieler Dinge, die alle irgendwo untergebracht werden müssen. Das führt häufig dazu, dass Zimmer viel zu voll gestopft sind, um überhaupt noch irgendwas gestalten zu können, schon gar nicht nach Fengshui-Regeln.
      Denn während es beim Fengshui eher um das Zu- und Abfließen von „Energien“ oder „Qi“ geht, diktiert in vielen Wohnungen statt dessen der (angeblich?) dringend benötigte „Stauraum“ die Raumgestaltung.
      Wie ich in meinem Umfeld immer wieder feststelle ist die erste Überlegung beim Einrichtung einer Wohnung dann oft nicht: Wo sind die besten Plätze zum Schlafen, Essen, Arbeiten oder Entspannen“, sondern eher: „Wo stelle ich die Schrankwand hin?“

      Viele Grüße,
      Taononymus

  2. Taononymus sagt:

    … eine mehr scherzhafte Frage: wie halten es eigentlich Eure beiden Unzertrennlichen, Kater Rufus und Rüde Henry, mit der Wahl des gemeinsamen Schlafplatzes ?
    😉 🙂

    • Sabine sagt:

      Hallo Taononymus,
      Rufus und Henry haben einen gemeinsamen Korb in der Küche, den sie nachts auch gemeinsam nutzen, Rufus allerdings nur bei schlechtem Wetter oder wenn es wie jetzt kühler wird.
      Rufus liegt aber seit dem Umzug der Liege sehr oft tagsüber darauf, Henry bisher nur einmal, was aber daran liegen kann, dass sie immer von den anderen Katzen belegt ist.
      LG
      Sabine

      • Taononymus sagt:

        … hab ich mir’s doch fast gedacht: Die Katze wählt den Katzenplatz und der Hund muß dann schauen wie er sich damit arrangiert 😉

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