Intuition

Wie müht sich unser Intellekt,
bis er ein Körnchen Gold entdeckt.
Drauf gähnt Madame Intuition:
„Ach das…? – Das wusst ich immer schon!“
Mascha Kaléko

Menschen, die andauernd voller Ideen stecken, nehmen für sich in Anspruch, außerordentlich intuitiv zu sein. Wieviel von dieser „Intuition“ bei genauerem Hinschauen bloß Schnapsideen sind, lässt sich schwer sagen, aber nach meiner Erfahrung lässt manches, das diese übersprudelnden Leute kontinuierlich von sich geben, in Bezug auf Intelligenz einiges zu wünschen übrig. Gut, in jedem Menschen ist die Gabe der Intuition vorhanden. In dem Sinne sind wir alle kleine Hellseher. Unser Problem besteht darin, zwischen Eingebungen unseres Verstandes und eben jener magischen Intuition zu unterscheiden. Ich will hier spontane Ideen unseres Verstandes nicht herabsetzen, wir brauchen sie und sie haben uns schon oft in unserem Leben geholfen. Die Intuition konkurriert auch nicht mit unserer Erfahrung – sie macht sie vollständiger, potenziert sie gewissermaßen. Und sie unterscheidet sich von der Idee durch zwei Merkmale: sie hat, wenn sie sich uns mitteilt, weder Worte noch Bilder. Unsere Erfahrung, vom Denken unterstützt, operiert mit Text und Bild. Aber, wie soll ich einen intuitiven Impuls dann erkennen, wenn er quasi sprachlos ist? Ist sie ein diffuses Gefühl, die Intuition? Bitte, glauben Sie auch nicht daran. Diffuse Gefühle sind ab und zu Begleiter unserer eher fragwürdigen intellektuellen Eingebungen, aber keine Indizien für das Wirken der Intuition. Wie also werden die Signale der Intuition dann erkannt? Ich trenne die Intuition und ihr Wirken nicht von unseren Instinkten ab – für mich gehören sie zusammen als Werkzeuge des Überlebens. Beides zusammen teilt sich uns in der ungewohnten Form eines plötzlichen Wissens mit, des spontanen Verstehens eines Sachverhaltes, verbunden mit dem Impuls zur Tat. Wir sind fähig, dieses aus dem Nichts aufgetretene Verstehen auf der Stelle in Sätze und Bilder zu verwandeln und daraus unsere Entscheidungen abzuleiten. Dieses nonverbale Verstehen ist ein metaphysisches Phänomen unseres Geisteslebens. Seine Informationen kommen aus einer Quelle, die keine Grenzen hat. Wenn Sie die Art, wie die Intuition als ein Signal des Unendlichen sich Ihrem Verstand mitteilt, ein einziges Mal bewusst erleben, sind Sie im Kreis der echten Intuitions-User angekommen.

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6 Antworten zu Intuition

  1. gitti sagt:

    Diese Intuition, die aus einem Gefühl oder aber auch vom Verstand kommt, ist tatsächlich nicht viel wert. Sie befriedigt nur rasch ein emotionales Bedürfnis und man fühlt sich nicht wirklich sicher dabei. Wenn aber eine inner Stimme mir diese Sicherheit gibt, die mit nichts anderem zu vergleichen ist und ich genau weiß „Das ist Es“, dann liege ich richtig.
    Liebe Grüße Gitti

  2. Taononymus sagt:

    Hallo Ihr,

    je mehr ich mich selber und die Menschen in meiner Umgebung in Ruhe auf mich wirken lassen kann, desto mehr gewinne ich den Eindruck, dass Betrachtungen nach dem Strickmuster: „Hier der überbewertete aber unnütz sich plagende Verstand und dort die arme, vernachlässigte aber wunderwirkende Intuition“, „Hier Erfahrungen, Text und Bild, dort sprachlose Spontaneinsicht“ nicht wirklich weiter helfen.

    Auch ich kann mich dem Charme dieser „Intuitionsromantik“ nicht entziehen und will es auch nicht, nur habe ich den Eindruck, dass dort wo Menschen massiv falsche Entscheidungen treffen, meistens BEIDES, Verstand und Intuition, ausgeschaltet sind. Und zwar nicht, weil keines von beidem verfügbar gewesen wäre, sondern weil stärkere Motive am Steuer sitzen und BEIDES bei Seite schieben.

    Antriebe wie Gier, Ehrgeiz, Existenzängste oder Eitelkeit, um nur mal einige zu nennen. Oft würde schon ein kleiner Funken des unnütz sich mühenden Verstandes reichen um Schäden einzugrenzen, von dem Nutzen einer treffgenauen intuitiven Einsicht einmal ganz zu schweigen. Aber nicht nur die Intuition sondern auch der Verstand wird von solchen Kräften meist überrollt, wenn nicht sogar noch als „Begründung“ missbraucht.

    Klar, wenn die oben angeführten Motive die Karre dann irgendwann so weit in den Dreck gefahren haben, dass der bis dahin unzählige Male ausgeschaltete Verstand zum in der Endsituation folgerichtigen Schluss kommt, dass er mit seinen Mitteln keine Lösung mehr auf Lager hat, dann ist die Intuition die einzige Kraft, die doch noch einen Ausweg anbieten kann.

    Tut sie es denn, so wird nach gelungener Rettung gerne ausführlich ihre unbestrittenermaßen segensreiche Wirkung gepriesen. Aber niemand redet mehr darüber wie haarsträubend oft er VORHER seinem „unnützen Verstand“ und seiner Intuition die Tür gewiesen hat. Denn dann stünde postwendend die Frage: „Warum mache ich so etwas mit mir?“ im Raum und würde die eigentlichen Übeltäter, beispielsweise die eigene Eitelkeit, ans Tageslicht zerren. Und wer will von so etwas bei sich selber schon berichten?

    Entsprechend rar sind dann auch Geschichten nach dem Motto „Die 100.000 Episoden in denen meine Eitelkeit mich irregeführt hat“ in den Buchläden zu finden. Die blumigen und mit glänzenden Augen vorgetragenen „Wundersame Rettung durch Intuition“ – Geschichten sind dagegen wunderbar entlastend für den Erzähler und für die Leser, denn beide Seiten müssen nicht wirklich in den Spiegel schauen.
    Man klopft lieber in schöner Gemeinsamkeit auf den ohnehin nicht benutzten Verstand ein, himmelt die Wunder der Intuition an und schon ist der Sonntag gerettet.

    Und hier komme ich zurück zum Anfang: mich stört an der Diskussion „unnützer Verstand kontra wundersame Intuition“ einfach, dass die eigentlichen „Übeltäter“, die weder “ Verstand“ noch „Intuition“ heißen, im Dunkeln bleiben und wieder mal ungeschoren davonkommen.
    Entsprechend gering ist dann nämlich auch der Nutzen solcher „Verstand kontra Intuitiohn“-Betrachtungen im Alltag.

    Viele Grüße und einen schönen Sonntag noch,
    Taononymus

    • gitti sagt:

      Dieses ständige pro und kontra ob Verstand oder Intuition bringt uns tatsächlich nicht weiter. Herr Fischer schreibt „von der Quelle die keine Grenzen hat“.Und genau um diese Quelle geht es.
      Wenn wir es wirklich ernst meinen, müssen wir die eigentlichen Übeltäter, von denen Taononymus schreibt, in uns selber aufspüren. Also hinschauen aber zuerst auf uns selbst.
      Liebe Grüße Gitti

    • Theo Fischer sagt:

      Hallo Taononymus, spät kommt sie – aber sie kommt, meine Stellungnahme zum Kommentar in Sachen Intuition kontra Verstand. Sobald man sich mit Worten mit diesem Komplex auseinanderzusetzen versucht, wird klar, dass jeder darauf verwendete Satz wiederum nach einer Interpretation verlangt. Das Problem ist, dass die echte, aus dem Grund der Dinge im Menschen des Tao wirksame Inspiration eigentlich so gut wie keine Ähnlichkeit mit dem hat, was das Volk für Intuition hält. Nicht dass ich Letztere verleugne, sie ist da, sie wirkt, aber sie verführt auch Denken und Verstand zum Leichtsinn. Samt dessen Konsequenzen. Die menschliche Intelligenz wird von den Fachleuten mit IQ-Tests gemessen, die wir alle kennen. Die Intelligenz, von der hingegen ein Krishnamurti oder ein Professor Bohm sprechen, ist ein anderes Phänomen, das von der testbaren samt ihrem Schwesterchen, der Intuition so verschieden ist, wie sich der Mond von einem Baggersee unterscheidet – auch wenn er sich in klaren Nächten darin spiegelt. Mir fehlen auch die Worte, diese sublime Form der Intuition zu erklären, darum lasse ich abschließend Richard Wilhelm zu Wort kommen, der im Vorwort zu seiner Übersetzung des Tao te king so formuliert: Dieses Nicht-Handeln ist keine Untätigkeit, sondern nur absolute Empfänglichkeit für das, was sich von jenem metaphysischen Grunde aus im Individuum auswirkt. Der Mensch des Tao lebt insofern nicht sich selber – er lässt das Leben in sich zur Auswirkung kommen. In dieser Stellung ist er aber eine kosmische Potenz. Alles Liebe, euer Theo Fischer

  3. Matthias sagt:

    Manchmal lohnt ein Blick auf die Wortherkunft:

    Die Intuition (v. lat.: intueri = […] eigentlich: angeschaut werden, daher auch passiver Sinn von Eingebung, ahnendes Erfassen…

    Angeschaut werden: dazu passt Wilhelms „absolute Empfänglichkeit“.
    Das deutsche Wort Eingebung gefällt mir besser als „Intuition“. Es ist bescheidener.

    Außerdem führt der Begriff „Intuition“ insofern in die Irre, als er suggeriert, es gebe da etwas in uns, das sich dingfest machen ließe. Unter anderen hat Erich Fromm in „Haben oder Sein“ darauf hingewiesen, dass unsere Sprache die Tendenz zur Verdinglichung von Sachverhalten hat, die keine Sachen oder Dinge sind.

    Ich sehe „intuitiv“ eher als eine Eigenschaft (Qualität) menschlichen Handelns an. Intuitives Handeln ist für mich das Ergebnis eines Aneignungsprozesses in dem Sinne, wie Theo Fischer es beschrieb: als Potenzierung von Erfahrung und Wissen.
    Erfahrung und Wissen, weitestgehend verdichtet, aber nicht einzementiert, und daher für bisher unbekannte Verbindungen offen.

    Ein Anfänger des Kendo kann auch überlegene Gegner instinktiv treffen. Diese Treffer sind jedoch eher zufällig. Erst langes, intensives Training und die Erfahrungen aus vielen gewonnenen und verlorenen Kämpfen wird in dem intuitiven Handeln des Meisters münden, bei dem der Gegner nicht zufällig und jenseits aller Zweifel getroffen wird. Wie Gitti so schön schrieb: diese Sicherheit, die mit nichts anderem zu vergleichen ist.

    Herzliche Grüße,
    Matthias

  4. Matthias sagt:

    Irgendwie hat es in meinem Kommentar mit dem HTML-Tag nicht geklappt. Deshalb als Ergänzung und um eventuellen Plagiatsvorwürfen zuvor zu kommen hier die Quellenangabe des Zitats im Klartext:
    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Intuition&oldid=102041511 (Abgerufen: 9. Mai 2012, 12:01 UTC)

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