Könnte man den Menschen mit der Katze kreuzen, würde dies den Menschen verbessern, nicht aber die Katze.

                                                                                  Marc Twain

Mit dem Thema Katze habe ich mich im Zusammenhang mit „DA SEIN“ schon einmal befasst. Ich erlaube mir, die Katzen-Kernsätze vom 20. Oktober der Einfachheit halber und zu Ihrer Erinnerung noch einmal zu wiederholen: Schließen Sie Bekanntschaft mit einer Katze. Sie ist Da! Allezeit. Ihre Präsenz ist vollkommen, gleich, ob sie schläft, jagt oder ruhend mit wachen Augen ihre Rolle im Spiel vom Katzenleben spielt. Sie fürchtet sich, wenn es Grund zum Fürchten gibt. Im Da sein funktionieren ihre Instinkte und sie verlässt sich vollkommen auf sie. Keine Katze wird je nach dem Sinn fragen. Sie erlebt den Sinn Tag für Tag durch ihr Da sein. Beobachten Sie, lernen Sie. Und bleiben Sie da!

Heute will ich versuchen, eine weitere Beziehung zum Wesen der Katze, und zwar diesmal mit dem Glück herzustellen. Über Glück habe ich mich zwar ebenfalls im Oktober bereits verbreitet. Aber dies ist ein Versuch, die beiden Phänomene zumindest verbal miteinander zu verbinden. Lassen Sie mich dazu eine weitere Autorität zitieren, nämlich Buddha, den die folgenden Sätze zugeschrieben werden: Glück ist allein der innere Friede. Lerne ihn finden.
Über Glück kann man Bücher schreiben – was ja auch passiert ist, wie Sie in dem Beitrag vom 30/10. „Neues vom Glück“ vernehmen konnten. Aber ich meine, das Glück, das Buddha im Auge hatte, ist nicht identisch mit jenem Hochgefühl, das der moderne Mensch heute dafür hält und sich so leidenschaftlich wünscht. Der innere Friede kommt dem Wesen der Katze so nahe, dass er uns Menschen auch ohne genetische Einkreuzung im Wesen grundsätzlich verbessern würde, wenn wir nur zu ihm fänden. Und obendrein ist Glück vielfach eine Sache der subjektiven Interpretation. Leider zu oft wird in unserer gnadenlosen Gesellschaft einer allein dadurch glücklich, dass er genügend andere unglücklich macht. Nach meiner Erfahrung tritt ein glücklicher Zustand als die Folge eines Gefühls von Richtigkeit ein, man spürt unversehens, dass die Dinge stimmig sind, dass sie miteinander harmonieren. In diesem Sinne ist ein Geist, der wenig begehrt am ehesten empfangsbereit, wenn ein Hauch von Glück ihn anweht. Der Mangel an diesem ständigen Verlangen nach Veränderung, nach dem Mehr erzeugt eine Freiheit, die wie von selbst fröhlich und heiter stimmt. Wie sagte Chuang tzu am Ende seiner Epistel über das Glück, die ich Ihnen hier ebenfalls nochmals ans Herz legen will: Ich halte Nichthandeln für wahres Glück, als gerade das, was die Welt für die größte Bitternis hält.

Spätestens an dieser Stelle dürfte Ihre Frage kommen: „Ja, bitte, aber wie macht man das? Ich bin schließlich keine Katze.“ Ihr individuelles Glück wird – abgesehen davon, dass es einen glücklichen Dauerzustand nur in Märchen gibt – oftmals von innerer Unruhe gestört. Und in vielen Fällen, die mir bekannt geworden sind, hat diese das Glücklichsein ausbremsende Unruhe seine Ursache in einer vom Verstand verdrängten, ja verleugneten Lebenssituation. Wo Sie sich selbst gegenüber aus welchen Gründen auch immer niemals zugeben würden, dass Sie zum Beispiel in Ihren Beziehungen oder in Ihrem beruflichen Zukunftskonzept auf der falschen Party sind. Es fällt so schwer, Irrtümer erst einmal zu erkennen – und noch schwerer wird es, diese zuzugeben und das Steuer herumzuwerfen.

Sie sind gewiss keine Katze – auch kein Kater, aber die Wesensmerkmale, die sich vom Grund der Dinge ausgehend in anderen Lebewesen manifestieren, sind auch in Ihnen angelegt. Setzen Sie Nichthandeln ein! Unternehmen Sie nichts, um das Glück herbei zu zwingen! Wenn Sie Ihre Lebenslage glasklar sehen, wenn Sie ihr voller Ernst, aber in aller Ruhe emotional begegnen – wenn Sie das tun, wird erst einmal Frieden in Ihr Gemüt einziehen, und die Magie des Tao wird Ihnen mehr neue Türen öffnen, als alte, verbrauchte sich zu schließen im Begriff sind oder von Ihnen selbst aus berechtigten Gründen zugeschlagen werden.

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1 Antwort zu Könnte man den Menschen mit der Katze kreuzen, würde dies den Menschen verbessern, nicht aber die Katze.

  1. gitti sagt:

    Lieber Herr Fischer!
    Zum Jahresende möchte ich Ihnen einmal von ganzem Herzen danken für Ihre besonderen und wertvollen Texte.
    Ich wünsche Ihnen und Ihrer Frau alles Gute gitti (neben mir liegt ein 17 Jahre alter gemütlicher Kater)

    Vor einigen Wochen bin ich auf drei mir sehr wertvolle Büchlein gestoßen und möchte sie hier vorstellen:
    Autor: Peter Steiner
    Verlag: Edition Spuren
    Titel: Weisheit für Minimalisten
    Das Wesentliche so nah
    Vom Glück der Stille

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