Die DNA der Schöpfung

Die Ideen als eigentliche Wirklichkeit sind absolute, zeitunabhängig bestehende Urbilder. Da sie nicht dem Entstehen, dem Wandel und dem Vergehen unterliegen, sind sie von göttlicher Qualität.
Platon

Platon spricht mit dem Wortschatz seiner Zeit von der Wirklichkeit, deren Grundlage die schöpferische Idee ist. Wenn ich seine Worte ins wissenschaftliche Vokabular der Gegenwart übersetze, bedeutet es das Vorhandensein einer kosmischen DNA, einer universalen Doppelhelix, dem Genprotokoll der Schöpfung. Diese absoluten Urbilder sind im Gehirn eines jeden Menschen vorhanden, sie werden dem Säugling bei der Geburt in die Wiege gelegt und sorgen dafür, dass das kollektive Gehirn der Menschheit seine Welt in jedem Individuum gleich erlebt. Ich gehe noch einen Schritt weiter mit der kühnen Behauptung, dass diese DNA in unserem Kopf die eigentliche Welt ist, die wir erleben, und zwar b e v o r sie sich materialisiert. Das Urbild wird erst durch unsere Wahrnehmung zur greifbaren Realität, ohne den Beobachter würde es bei den Ideen der Urbilder bleiben. Das Genprotokoll des kontinuierlichen Schöpfungsprozesses in unseren Gehirnen lässt mit unserer Beobachtung Platons Ideen zu greifbarer Realität werden, unser Gewahrsein sorgt für den Tanz der Teilchen.

Damit wäre dem Menschen eigentlich ein gewaltiges Machtpotenzial an die Hand gegeben. Von der Wiege an sorgt das Gewahrsein seiner Welt zugleich dafür dass sie sich verändert. Wir können beim Beobachten der Dinge noch nicht einmal verhindern, dass sie sich verändern. Diese Einsichten bilden auch die Grundlage für das taoistische Prinzip des Nichthandelns. Nichthandeln meint, dass die begrenzte individuelle Erfahrung erst in zweiter Linie gebraucht wird, wenn wir erst einmal die in uns schlummernde Macht des Geschehenlassens durch unsere Wahrnehmung entdeckt haben.

Sie dürfen nichts von dem glauben, was hier geschrieben steht. Aber Sie können die Antworten in sich selbst finden. Wie sagte Laotse: „Woher weiß ich aller Dinge Art? Aus diesen selbst!“ In jedem von uns sind die Urbilder der Schöpfung vorhanden – wir bräuchten keine Lehrer, keine klugen Bücher, auch keine Vorbilder. Der Mensch wäre aus sich allein heraus fähig, die Wahrheit und die Geheimnisse des Seins zu entdecken. Die Einsichten Platons sind in ihrer Tiefe gewaltig und haben heute noch Gültigkeit. Lassen Sie die Auskünfte über Ihre Position im Universum und die Bedeutung Ihres Vorhandenseins aus der eigenen Tiefe Ihres Bewusstseins aufsteigen. Das ist der Ort, von dem aus auch Laotse seine Weisheit geschöpft hat.

Das alles klingt arg philosophisch – und theoretisch. Das ist ja das Problem: wir sind sehr viel stärker an allem beteiligt, was da stattfindet, als wir uns vorstellen können oder wollen. Aber unser Geist reduziert unseren Einfluss auf das Geschehen auf die Grundregeln, die wir einmal gelernt haben. Und zwar von Menschen, die es ebenfalls niemals anders gewusst haben. Die Religionen könnten es sich gar nicht leisten, mit der Wahrheit herauszurücken, selbst wenn sie diese erkennen würden. Weil damit aller Einfluss verloren ginge, weil die Menschen einem Laotse gleich alle Auskunft aus der Doppelhelix der schöpferischen Idee beziehen würden und auf keinen aufklärenden Lehrer mehr angewiesen wären.

Horchen Sie in sich hinein. Dort ist alles vorhanden, was Sie brauchen, um kraftvoll auf die Probleme Ihres Lebens einzuwirken.

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5 Antworten zu Die DNA der Schöpfung

  1. Michael sagt:

    Lieber Theo Fischer,

    das ist eine faszinierende Sicht der Wirklichkeit, die für mich sofort ein paar Fragen aufwirft:
    Jeder Mensch hat einen Ursprung, oder eben ein Urbild, das jenseits der Zeit in der Ewigkeit liegt. Ist das jetzt eine individuelle DNA (sowie eben auch unsere physische) oder ist das eine DNA der Menschheit?
    Erlebt das kollektive Gehirn der Menschheit tatsächlich seine Welt in jedem Individuum gleich?
    Ich habe eher den Eindruck, dass jeder Mensch seine eigene Welt erlebt oder eben zum Leben erweckt, und das lediglich die Sprache die Vorstellung einer „objektiven Welt“ erzeugt.
    Niemand kann doch nachweisen, dass meine Wahrnehmung der Welt mit der eines anderen Menschen identisch ist. Es gibt eher Indizien dafür, dass das nicht so ist!
    Natürlich entsteht aber „meine Welt“ durch meine Wahrnehmung und die ganze Schöpfung entsteht (meiner Meinung nach) in der Wahrnehmung der Milliarden fühlender Wesen. (das schließt für mich auch Tiere und Pflanzen ein)
    Das Wunder ist eigentlich der Geist (oder das Tao), der das alles ständig hervorbringt und harmonisch zusammenwirken läßt.
    Nichthandeln bedeutet doch, das Tao durch mich handeln zu lassen und meinen Willen, meine Erfahrung und meinen (begrenzten) Verstand zurückzustellen.
    So, das war jetzt auch eine Menge „theoretische Philosophie“.
    Ich hoffe, dass ich die Teilnehmer dieses Blogs damit nicht genervt habe.
    Ich wünsche Ihnen, lieber Theo Fischer, Ihrer Frau und allen Teilnehmern dieses Blogs schöne und erholsame Osterfeiertage und möchte auch nicht versäumen, mich bei allen für die inspirierenden Beiträge zu bedanken!

    Liebe Grüße
    Michael

    • gitti sagt:

      …..Einfach faszinierend…die Erkenntnis um den eigenen Ursprung….
      wenn man beginnt ganz leise die Zusammenhänge zu erkennen, ergibt sich automatisch eine große Verantwortung um das Richtige Wahrnehmen der Dinge.
      Die Wahrheit und die Geheimnisse in uns zu entdecken, ist wohl eine der schönsten Aufgaben auf dieser Welt.

      Frohe Ostern!
      Gitti

    • Theo Fischer sagt:

      Hallo Michael,
      das sind gute Fragen. Die Antworten lauten sowohl ja wie auch nein. Was meint, das Urbild jenseits der Zeit ist die DNA des Universums mit allen seinen Erscheinungen. Das kollektive Gehirn der Menschheit ist so beschaffen, dass es seine Welt als Kugel und nicht als Scheibe erlebt und einen Wal von einer Ölsardine unterscheiden kann. Trotzdem weiß kein Mensch, ob sein Nachbar die Farbe blau genau so sieht, wie der Briefträger oder dessen Frau. Tiere erfahren den Bauplan des Universums analog der großen DNA, es gibt für sie den Sternenhimmel, die Wälder oder die Gezeiten. Aber: Die Facettenaugen einer Libelle nehmen die Erscheinungen anders war, zweckbezogen im Sinne der Überlebensstrategien dieser Gattung. Eine Katze nimmt die Nacht anders wahr als ich oder Sie. Wer weiß, welche Farbe ein Nachthimmel im Gehirn einer Katze hat.
      Der Rede kurzer Sinn: Universal gibt es vermutlich nur eine einzige Doppelhelix, die in allen Lebewesen samt den Bäumen und Gräsern angelegt ist. Aber das individuelle Erleben der Erscheinungen ist unbedingt artbezogen und bei den zitierten Farben unterscheiden wir bereits den Farbenblinden – wobei man manchmal bei modischen Entgleisungen durchaus Indizien für individuelle Verschiebungen der Wahrnehmung entdecken kann. Im Übrigen liegen uns in diesem Jahrhundert genügend Forschungsergebnisse vor, die belegen, dass unsere Welt auf ihrer kleinsten materiellen Ebene äußerst einfach gestrickt ist – und ohne eine universale Idee längst im Chaos versunken wäre.
      Nichthandeln bedeutet in diesem Sinne, dass wir die Größe im Einfachen entdecken: Was wir tun und erleben, ist individuell, aber es findet in einer Welt statt, die wir in ihrer vorhandenen Form in Harmonie mit dem großen Bauplan durch unser Bewusstsein stattfinden lassen. Wenn sich unser Verstand, unser Wissen, unsere Gefühle, Instinkte und unser Ahnungsvermögen mit dieser universalen Identität verbünden, entsteht ein Modus der Lebensgestaltung, der frei von Widerstand und Reibungsverlusten ist und damit genau für jenes gelungene Leben sorgt, das zahllose religiöse, philosophische oder esoterische Theorien vergebens zu vermitteln suchen.
      In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, Michael und allen anderen Blog-Lesern ein wunderschönes Osterfest – das jeder mit seinen eigenen Augen und Sinnen erleben darf, ohne dass es da eine Normung gäbe. Theo Fischer

  2. Taononymus sagt:

    Hallo Ihr,

    wenn ich’s richtig sehe stammt die Stelle über Platon, die Herr Fischer ganz oben angeführt hat, aus folgendem Wikipedia-Artikel: http://de.wikipedia.org/wiki/Platon#Ideenlehre
    Dort findet sich unter „Eigenschaften und Bedeutung der Ideen“ zumindest der exakt gleiche Wortlaut wieder.

    Wer Spaß dran findet, sich in allgemeinverständlicher Sprache einen groben Überblick über die Denkweise Platons zu verschaffen ohne sich viel mit trockener Philosophie rumzuplagen, der ist glaube ich mit diesem super geschriebenen Wikipedia-Artikel sehr gut bedient.

    Auch das Schaubild in gleichen Kapitel kann man finde ich gut einfach auf sich wirken lassen:
    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Platon_Ideenlehre.svg&filetimestamp=20080804061757

    Mir jedenfalls hat dieser Artikel geholfen, besser nachvollziehen zu können, was Theo Fischer eigentlich meint, wenn er von „DNA der Schöpfung“ schreibt.

    Auch der von Theo Fischer angeführte Gedanke, daß die absoluten Urbilder im Gehirn jedes Menschen von Geburt an vorhanden sind, ist schon bei Platon vorhanden. Letzterer sieht die Einsicht bzw. das Gewahrwerden solcher Urbilder bzw. Ideen wie eine Art „Wiedererinnerung“ an schon immer Gewußtes.

    Speziell diese Sicht finde ich faszinierend, für mich deckt sie sich mit dem intuitiven Gewahrwerden von Zusammenhängen und Wahrheiten, die im Rahmen der taoistischen Lebenskunst praktiziert wird.

    Viele Grüße und ein schönes Osterfest,
    Taononymus

  3. JE sagt:

    Hallo…..

    ich bin ebenfalls (wie Ihr) der Überzeugung, dass diese Idee/dieser Grund-Gedanke existiert, nicht nur in uns Menschen – sondern auch in jeder Pflanze, in jedem Tier…. , in Allem vorhanden ist.
    Unsere Wahrnehmung jedoch ist, wie beschrieben, begrenzt von vielen Faktoren und Einflüssen. Wir erfahren mit unseren Sinnen daher -Jeder- vermischt mit eigenen Erfahrungen, Erinnerungen und Vergleichen, auch zwangläufig all dies anders.
    Zudem können wir allenfalls nur mit dem uns Bekannten versuchen, zu erahnen, zu begreifen oder zu beschreiben.
    … So sind für mich zwei Deiner Schlüsselsätze, lieber Theo: „…. Aber unser Geist reduziert unseren Einfluss auf das Geschehen auf die Grundregeln, die wir einmal gelernt haben“ – und vor allem:
    „Horchen Sie in sich hinein“…….

    Von der Wissenschaftlerin Barbara McClintock fand ich übrigens vorgestern auf meinem Tageskalender ein wunderbares, passendes Zitat (so ein „Zufall“ :-)):
    „Die Dinge sind viel wunderbarer, als die wissenschaftliche Methode uns zu verstehen erlaubt. Die wissenschaftliche Methode liefert uns Relationen, die brauchbar, gültig und technisch wundervoll sind. Aber sie sind nicht die Wahrheit.“

    In diesem Sinne, grüße ich Euch / Sie alle
    JE

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