Ton-Töne-Tao…der etwas andere Urlaub!

Wie wäre es dieses Jahr mit einem etwas anderen Urlaub? Kein Geschrei am Strand oder Swimmingpool, keine Touristenmassen, die sich durch die Straßen wälzen, kein anstrengendes Sightseeing jeden Tag…..

Stattdessen ein ruhiger Ort in einem großen, grünen Garten, zwei gemütliche, rustikale Ferienwohnungen, ein kleines Dorf mit echt italienischem Flair, Burgen, Schlösser, kleine Städte, die man in aller Ruhe anschauen kann, aber nicht muss.

Und dazu etwas für sich selber tun, wegkommen von der Alltagshektik, die Hände mit Ton beschäftigen und dabei Sorgen und Probleme lösen, musizieren und dabei in eine andere Welt eintauchen, bei Gesprächen über das Tao eine andere Sicht auf die Dinge gewinnen.

 

Das alles ist möglich hier, wo Theo 16 Jahre lang gelebt und gearbeitet hat.

Man kann natürlich auch einfach “nur“ Urlaub machen, faul in der Sonne liegen, lesen, das piemontesische Essen und die Weine der Langa genießen.

Interessiert? Dann gibt es hier noch mehr Infos: https://www.tonundtao.de

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An der Quelle des Tao 42

Das Tao erzeugt die Eins. Die Eins erzeugt die Zwei.

Die Zwei erzeugt die Drei. Die Drei erzeugt alle Dinge.

 Alle Dinge haben im Rücken das Dunkle und streben nach dem Licht,

und die strömende Kraft gibt ihnen Harmonie

Laotse skizziert im 42. Spruch in wenigen Sätzen die Schöpfungsgeschichte. Sie ist allerdings nur erkennbar, wenn man davon ausgeht, dass das Universum nicht wie es in der Bibel steht, Stück für Stück von einem recht menschenähnlichen Schöpfer erschaffen wurde, der dann zum Schluss, sozusagen als Krönung, nach seinem Ebenbild uns Menschen in die vorgefertigte Welt setzte. Wenn wir hingegen Stephen Hawkings These vom Universum in der Nussschale akzeptieren, dann waren alle Dinge – die Taoisten sagen Die zehntausend Dinge dazu – am Anfang hoch komprimiert als schiere Energie in einem vielleicht nur erbsengroßen Kern enthalten. Wo dieser allerdings herkam, darüber schweigt die Theorie. Vielleicht waren es die komprimierten Reste einer älteren schöpferischen Versuchsreihe, wer weiß. Laut Laotse hat sich das Universum im Verlauf der Evolution selbst organisiert. Als Buchtipp darf ich Ihnen eine Arbeit von Professor Hermann Haken vorstellen, die sich umfassend mit Synergetik, der Lehre vom Zusammenwirken befasst. Haken legt darin die Formel offen, wie die Zehntausend Dinge der Taoisten sich selbst organisieren, unabhängig davon, ob es sich um unbelebte Phänomene wie Steinformationen, um animalische Lebensformen oder um den Menschen selbst samt seinen soziologischen Verhaltensmustern handelt.  Wer sich vorurteilslos mit solchen Aussagen befasst, deren Glaubwürdigkeit für mich (mit einigen Ausnahmen) außer Frage steht, beginnt zu ahnen, dass wir von Laotse ebenso wie von der Wissenschaft mit einer Ursprungstheorie konfrontiert werden, die keine Ähnlichkeit mehr mit unseren alten Grundannahmen hat. Wenn Sie sich mit der Vorstellung eines Universums anfreunden, das sich bis zurück zum Urknall mit allen seinen Erscheinungen selbst, und vielfach frei nach Darwin nach dem Zufallsprinzip organisiert hat, dann stellt sich zwangsläufig die Frage, ob dieses Etwas, das sich hinter dem Sicht- und Erlebbaren hypothetisch befinden müsste, in der gesuchten Form womöglich gar nicht existiert, weil es im Wahrgenommenen bereits implizit ist. Wäre es nicht vorstellbar, dass die von den Religionen in Glaubenslehren verwandelten Resultate der Evolution bereits die Antwort selbst sind? Was bedeuten würde, dass Kernphysiker mit der Beschreibung subatomarer Versuchsreihen zugleich den Ursprung definieren würden, mit dem sie zu allem Überfluss auch noch identisch sind. Weiterlesen

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Weihnachten 2019

Allen Tao Leserinnen und Lesern wünsche ich ein ruhiges, besinnliches Weihnachtsfest und alles Gute für das neue Jahr 2020!

Der sonnenbeschienene Pan bewacht schon seit 20 Jahren den Eingang zu La Costa. Es war damals einfach eine spontane Idee genau für diesen Platz. Er hat sich nie am Taoismus gestört, und wir sind nie auf die Idee gekommen, ihn durch irgendein taoistisches Symbol zu ersetzen.

Ich würde ihn heute gerne gelten lassen als Zeichen der Gleichberechtigung aller Religionen und Philosophien, als Zeichen gegen jegliche Form von Fanatismus und als Aufforderung, das Leben manchmal ein bisschen leichter und fröhlicher zu leben, eben wie der Hirtengott Pan.                                                                                                                                                       Sabine

 

 

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heute vor 6 Jahren ist Theo gestorben. Das Foto ist 2 Monate vor seinem Tod aufgenommen, an seinem 82. Geburtstag.

Eigentlich ging es ihm zu der Zeit auch noch relativ gut. Aber wir wußten, dass das Ende absehbar war. Aber bis zu  einer Woche vor seinem Tod ist er immer den ganzen Tag auf gewesen, hat mal ein paar seiner geliebten Rosen geschnitten, sich mit unseren Gästen unterhalten, ein bisschen Schach gespielt.

Erst in der letzten Woche vor seinem Tod ist er nicht mehr aufgestanden. Und so schwer diese Woche war, werde ich immer dankbar dafür sein, dass er in Ruhe zu Hause in seinem eigenen Bett sterben konnte. Und dass ich Freunde hatte, die ich anrufen konnte, als es passiert war, und dass meine Freundin Silvana sofort kam und sich um die notwendige Bürokratie  gekümmert hat. Und dass in den darauf folgenden 2 Tagen, in denen Theo hier in der Cantina aufgebahrt lag, so viele Menschen aus Murazzano und Umgebung gekommen sind, um  von ihm Abschied zu nehmen.

Und dass auch seine Einäscherung nur mit 2 Freunden und dem Bürgermeister so war, wie er es gewollt hätte.

Jetzt steht seine Urne unten im Garten, ab und zu gehe ich hin, aber es hat keine große Bedeutung für mich. Es ist Asche. Sein Geist lebt hier weiter

 

 

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An der Quelle des Tao 5

Himmel und Erde sind nicht gütig. Ihnen sind die Menschen wie stroherne Opferhunde.

Der Berufene ist nicht gütig. Ihm sind die Menschen wie stroherne Opferhunde.

Der Zwischenraum zwischen Himmel und Erde ist wie eine Flöte,

leer und fällt doch nicht zusammen; bewegt kommt immer mehr daraus hervor.

Aber viele Worte erschöpfen sich daran. Besser ist es, das Innere zu bewahren.

Dieser fünfte Spruch aus dem Tao te king wäre wohl das Letzte, was ein Texter in einen Werbeprospekt für den Taoismus aufnehmen würde. Er sagt auf den ersten, eigentlich auch auf den zweiten oder dritten Blick nichts aus, was einen Menschen auf der Suche nach dem Sinn ansprechen könnte. Die Aussage zeichnet offenbar das Bild einer Philosophie ohne Mitgefühl und wirkt ziemlich abschreckend auf den Betrachter. In einer anderen Übersetzung des Spruches wird die Negation noch deutlicher: „Die Natur (das Tao) ist ungütig.“ „Der Weise ist ungütig.“ Im Grunde bewundere ich Laotses Mangel an Hemmungen, die Lehre vom Tao so kompromisslos vorzutragen. Ihm fehlen alle Bedenken vor möglichen Missverständnissen, hier wird dem Leser und Nachfolger eine Menge abgefordert. Weiterlesen

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An der Quelle des Tao 49

Der Berufene hat kein eigenes Herz. Er macht das Herz der Leute zu seinem Herzen.

Zu den Guten bin ich gut, zu den Nichtguten bin ich auch gut;

denn das LEBEN ist die Güte.

Zu den Treuen bin ich treu, zu den Untreuen bin ich auch treu;

denn das LEBEN ist die Treue.

Der Berufene lebt in der Welt ganz still und macht sein Herz für die Welt weit.

Die Leute alle blicken und horchen nach ihm.

Und der Berufene nimmt sie alle an als seine Kinder.

 

In seinem 49. Spruch modelliert Laotse das Bild eines Menschen, der die Grundsätze der taoistischen Philosophie umfassend verstanden hat und sie in seinem Leben in die Praxis umsetzt. Mir gefällt die Abwesenheit von Forderungen in diesem Text. Nirgendwo steht: „du sollst, du musst“ oder gar „wehe wenn du nicht.“ Laotse beschreibt den Zustand seines eigenen Herzens und er legt unmittelbar ein Bekenntnis über sein eigenes Verhalten anderen Menschen gegenüber ab. Eigentlich spricht der Text eine so klare Sprache, dass eine Erläuterung beinahe zum Vergehen an dieser Klarheit wird. Denn deutlicher lässt sich die Thematik des umfassenden Mitgefühls, der praktizierten kollektiven Identität mit so wenigen Zeilen kaum darstellen. Weiterlesen

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Dao

Ein Leser der Taobaustelle hat mir ein Gedicht geschickt, das ich gerne hier veröffentliche.

                                 In fernen Tagen, wenn

                                 Licht und Finsternis,

                                Herz und Verstand,

                               Wasser und Stein,

                               Welle und Teilchen,

                               Gedanke und Erinnerung,

                               Durch nichts

                              Sich unterscheiden,

                             Werden wir eingehen

                            In die Ewigkeit

                           Von Raum und Zeit

                           Am Ziel einer langen Reise,

                          Und niemand wird

                         Je von ihr erzählen.

                        Poetische Schwingungen,

                        Zarter Klang stummer Töne,

                       In allen Farben

                       Konturloses Schweigen.

                      Der Morgen danach

                     Wird ertrinken im Meer

                     Unendlicher Schönheit.

                                       (Matthias Stark)

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An der Quelle des Tao 47

Ohne aus der Tür zu gehen, kennt man die Welt.

Ohne aus dem Fenster zu schauen, sieht man den SINN des Himmels.

Je weiter einer hinausgeht, desto geringer wird sein Wissen.

Darum braucht der Berufene nicht zu gehen und weiß doch alles.

Er braucht nicht zu sehen und ist doch klar.

Er braucht nichts zu machen und vollendet doch

In seinem Buch Der Lauf des Wassers weist Alan Watts auf die Verbindung zwischen Laotses Frage „Woher weiß ich dies alles?“ und „Ohne aus der Tür zu gehen, kennt man die Welt“ hin. Rupert Sheldrake betont in seinem Titel Das Gedächtnis der Natur gleichfalls diese Aussage. Er berichtet, wie Vögel und Säugetiere irgendwo auf der Welt in einer begrenzten Region neue Techniken der Nahrungsbeschaffung oder des Überlebens entdecken. Ohne Kontaktmöglichkeit zu Angehörigen der gleichen Gattung in anderen Erdteilen überträgt sich dieses Wissen dennoch auf geheimnisvolle Weise fernwirkend auf ihre Artgenossen. Sheldrake lässt uns in seinen Fallbeispielen wissen, wie eng die Dinge auf einer in der Natur gar nicht so unsichtbaren Ebene miteinander verbunden sind. Weiterlesen

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An der Quelle des Tao 27

27

Ein guter Wanderer lässt keine Spur zurück. Ein guter Redner braucht nichts zu widerlegen.                                                                                                                                                 Ein guter Rechner braucht keine Rechenstäbchen. Ein guter Schließer braucht nicht Schloss noch Schlüssel,  und doch kann niemand auftun.                                                         Ein guter Binder braucht nicht Strick noch Bänder, und doch kann niemand lösen.

Würde Sie in diesem Moment jemand auffordern, ihm zu beschreiben, wie Vanillepudding mit Himbeersauce schmeckt, blieben Ihnen nur zwei Möglichkeiten: Entweder Sie würden mit Begriffen wie ‚aromatisch-süß’ und ‚herb-fruchtig’ Hinweise zu geben versuchen, die kein Mensch verstünde, der diesen Nachtisch noch nie gekostet hat oder Sie würden gleich passen, weil sich über Erlebnisse der Geschmacksnerven vielleicht streiten, aber einem anderen verbal unmöglich verständlich machen lässt. Wer jedoch jemals Vanillepudding mit Himbeersauce aß, wird auf der Stelle um ihren Wohlgeschmack wissen, weil in den Zellverbänden seines Gehirns die Erinnerung an das Gaumenerlebnis gespeichert ist. Entsprechend der Schwierigkeit, eine Erfahrung zu schildern, die nur jene verstehen, denen sie schon einmal widerfuhr, stellte sich einst Laotse das Problem, wie er seinem Publikum das Phänomen Intuition nahe bringen sollte. Ihm blieb als Alternative zu metaphysischem Geschwätz nur das Gleichnis übrig – und dessen bedient er sich in seinem 27. Spruch. Weiterlesen

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An der Quelle des Tao 41

41
Wenn ein Weiser höchster Art vom Tao hört,
so ist er eifrig und tut danach.
Wenn ein Weiser mittlerer Art vom Tao hört,
so glaubt er halb, halb zweifelt er.
Wenn ein Weiser niedriger Art vom Tao hört,
so lacht er laut darüber.
Wenn er nicht laut lacht,
so war es noch nicht das eigentliche Tao.

Die feine Ironie des Meisters, die in diesen einleitenden Zeilen des 41. Verses zum Ausdruck kommt, setzt sich mit der Torheit so genannter Erleuchteter auseinander. Der Weise höchster Art ist im Grunde die Karikatur eines Weisen. Er gibt vor, alles zu verstehen und führt dies durch ein theatralisches äußeres Verhalten vor. Dieser Typ hat deutlich Ähnlichkeiten mit jenen Gurus, die aus Indien zu uns kamen, um dem westlichen Menschen die Erleuchtung zu bringen. Sie machten ihr Glück, richtiger, ihr Vermögen bei uns, weil ihr exotischer Reiz und ihre kryptischen Verheißungen von Erleuchtung, freier Liebe und Besitzlosigkeit eine große Zahl von Narren anzog, die ihnen folgten wie einst die Kinder dem Rattenfänger von Hameln. Laotse drückt aus, dass der „höchste“ Weise übertreibt, an anderer Stelle setzt er seine Kritik an diesem Menschentyp fort, indem er diesen höchsten Weisen mit einem Tal vergleicht, wobei Tal hier für Hohlraum steht, wie Chuang tzu dazu vermerkt. Der höchste Charakter scheint ungenügend – sein äußeres Auftreten ist Schauspielerei, die seine Hohlheit verbirgt. Obendrein entlarvt sein Eifer flagrant seine Unkenntnis, wie Nichthandeln funktioniert. Es ist schrecklich, ein solcher Weiser zu sein, der seiner Welt ohne Pause beweisen muss, wie weise er ist, dessen gesamtes äußeres Verhalten vor Weisheit trieft, der sich Fehlerfreiheit aufs Panier geschrieben hat – und damit ein extrem hohes Maß an Unfreiheit als Preis für sein Image als Weiser bezahlt. Krishnamurti beschuldigte diese Art von Gurus, sie würden ihre Nachfolger zerstören, damit aber zugleich sich selbst. Weiterlesen

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An der Quelle des Tao 13

Gnade ist beschämend wie ein Schreck. Ehre ist ein großes Übel wie die Person.            Was heißt das: „Gnade ist beschämend wie ein Schreck“?                                                  Gnade ist etwas Minderwertiges. Man erlangt sie und ist wie erschrocken.                          Man verliert sie und ist wie erschrocken.                                                                                    Das heißt: „Gnade ist beschämend wie ein Schreck“.                                                               Was heißt das: „Ehre ist ein großes Übel wie die Person“?                                                     Der Grund, warum ich große Übel erfahre, ist, dass ich eine Person habe.                       Habe ich keine Person, was für Übel könnte ich dann erfahren?

 

Laotses dreizehnter Spruch zeichnet sich stärker als manche anderen durch die Schwierigkeit aus, ihn überhaupt zu verstehen. Was Sie oben lesen, ist die Übersetzung von Richard Wilhelm, die ich, wie schon öfter erwähnt, wegen ihrer Nähe zum Urtext schätze. Speziell dieser Spruch ist in vielen anderen Übersetzungen kaum wiederzuerkennen. Um ihn les- und verstehbarer zu machen, wurde kräftig interpretiert. Was ich nicht unbedingt für falsch halte, wenn die subjektive Auslegung des Übersetzers im Anschluss an den dem Original nahen Text geschieht – dies habe ich in den folgenden Absätzen ja auch vor. Lassen Sie aber den Spruch einmal auf sich einwirken, bevor Sie weiter lesen. Es ist wie mit einem Gedicht von Rilke. Man kann sich einen Abend lang mit mehreren Personen über seine Poesie unterhalten und jeder wird in den Worten eine andere Bedeutung finden. So ist es durchaus wahrscheinlich, dass Sie aus dem Spruch Einsichten ableiten, die Sie schlicht und einfach durch die Tatsache gewinnen, was Substantive wie Gnade, Schreck, Übel oder Person Ihnen sagen. Im Christen wird Gnade Assoziationen von Sünde, Schuld und Vergebung wecken, ein Dienstbote erkennt in dem Wort die „gnädige“ Frau, den „gnädigen“ Herrn. Und wer in seinem Leben Herausforderungen ausgesetzt ist, wo er auf die Zustimmung übergeordneter Personen angewiesen ist, wird Gnade eher als Wohlwollen, Gunst oder ganz primitiv als Lob ansehen. In meinen Stellungnahmen zu Laotse ist geistige Erbauung zwar erwünscht, aber mehr als Nebenwirkung des eigentlichen Zieles gedacht, nämlich, aus den uralten Texten die Hinweise zur Realisierung des WEGES zu schöpfen. Darum neige ich bei Laotses Vers zur Auslegung von Lin Yutang, der bereits für die Überschrift die Begriffe „Lob und Tadel“ wählte. So besehen, befasst sich der kryptische Inhalt von Laotses Text mit den nur allzu menschlichen Konflikten, die mit unserem Bedürfnis nach Ehre, Anerkennung und Lob zusammenhängen und unserer Angst vor den Auswirkungen ihrer Gegenpole Schmach, Ablehnung und Tadel. Weiterlesen

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Des großen Lebens Inhalt folgt ganz dem Tao

21

Des großen Lebens Inhalt folgt ganz dem Tao.                                                                           Das Tao bewirkt die Dinge. So chaotisch, so dunkel.                                                             Chaotisch, dunkel sind in ihm Bilder.                                                                                     Dunkel, chaotisch sind in ihm Dinge.                                                                                    Unergründlich finster ist in ihm Same.                                                                                    Dieser Same ist ganz wahr. In ihm ist Zuverlässigkeit.                                                                                                                                 Von alters bis heute sind die Namen nicht zu entbehren,                                                              um zu überschauen alle Dinge.                                                                                                 Woher weiß ich aller Dinge Art? Eben durch sie.

Den einundzwanzigsten Spruch Laotses habe ich wegen der letzten Zeile ausgewählt, weil diese in aller Klarheit sagt, wie sich das taoistische Denken den grundlegenden Fragen des Seins nähert. Doch sobald ich die einleitenden Sätze überlas, wurde mir bewusst, dass ich Ihnen Laotses gewaltige Stellungnahme zum Schöpfungsprozess nicht unterschlagen durfte. Um das Jahr 500 vor der Zeitrechnung gab es zwar Astronomen, aber noch lange nicht die Chaostheorie, die ihre Existenzberechtigung erst durch die Einsichten der Astrophysik bekam. Laotse beschreibt mit leidenschaftlichen Worten das Dunkel vor der Geburt der Welten und das Chaos im Universum, von dem wir erst in unserer Zeit dank der leistungsstarken Radioteleskope erfahren. Im Tao te king blickt er um Milliarden Jahre zurück und klärt in knappen Worten auf, wie das Tao die Dinge aus dem Nichts  hervortreten ließ. Laotse fand in der Beobachtung des Universums und damit in sich selbst die Nachrichten vom Chaos im Weltraum. Ohne die Hilfe eines Hubble-Teleskopes durfte er bezeugen, wie in unvorstellbar ferner Vergangenheit Sonnen explodierten und zu Nebeln wurden, wie die Galaxien sich formten, und er erfuhr von der Geburt junger Sterne. Wir mögen Laotses Kommentar zum Chaos, aus dem alles Geschaffene hervorgeht, als zu knapp, zu pauschal empfinden. Aber was bekommen wir denn in unseren Tagen außer phantastischen Bildern und den Kommentaren der Astrophysiker weiter geboten? Ihre Hypothesen bleiben auf Prozesse beschränkt, in denen aus dem Chaos bereits berechenbare Ordnungszustände hervorgegangen sind. Das Chaos selbst bleibt noch immer unbeschreiblich. Konstellationen, die wir begreifen, verändern sich zwar weiterhin, aber analog unserem Zeitgefühl unendlich langsam. Darum können wir trotz des nach wie vor chaotischen Verhaltens des Schöpfungsprozesses Muster ableiten, die zumindest für ein paar Jahrtausende stabil bleiben oder in dieser Spanne nur geringfügig mutieren. Nichtsdestoweniger ist die Evolution nicht von einem bestimmten Datum an abgeschlossen. Sie ist ein Kontinuum, welches das Universum nach wie vor verändert. Der unergründliche, finstere Same des Tao wirkt weiter. Weiterlesen

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Dialog im Herbst

Heute ist Theos fünfter Todestag. Viele von euch werden die Geschichte, die er vor ca. 25 Jahren geschrieben hat schon kennen, aber manche vielleicht auch nicht

Droben in der Krone des knorrigenBaumes hing noch ein einzelnes Blatt. Es klammerte sich mit letzter Kraft an den Zweig, dem es im Frühling entsprossen war. Gelb und durchscheinend, ohne eine Spur des einstigen Grüns, bewegte es sich im Wind. Alle anderen Blätter  moderten bereits am Fuße des Stammes, strömten als Nährstoff dem Wurzelgeflecht zu, den Kreislauf der Natur vollendend. „Was hält dich noch?“ fragte der Baumdas Blatt, „lass endlich los und begib dich zur Ruhe.“ Weiterlesen

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Das Piemont – eine der schönsten Reiseregionen!

Reisepläne für nächste Jahr?  Wie wäre es mit dem südlichen Piemont? Steht grade auf Platz 1 der sehenswerten Urlaubsziele für 2019.

https://www.lonelyplanet.com/best-in-travel/regions?fbclid=IwAR2RPTFNINvvVUV6ZTKYooLc984sRQ4xzmEilZe2uJxE5mNbC9_3gFNsDQ0

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Was du zusammendrücken willst, das musst du erst richtig sich ausdehnen lassen.

36

Was du zusammendrücken willst, das musst du erst richtig sich ausdehnen lassen.       Was du schwächen willst, das musst du erst richtig stark werden lassen.                        Was du vernichten willst, das musst du erst richtig aufblühen lassen.                              Wem du nehmen willst, dem musst du erst richtig geben.

Als Eröffnung möchte ich an Stelle einer metapherschweren Auslegung des Laotse-Textes eine kleine Episode zum Besten geben, in der speziell die Anwendung der Ratschläge aus dem 36. Spruch zum Tragen kommt. Wir hatten 1996 bereits unser Haus in Frankreich via Vorvertrag an ein deutsches Architekten-Ehepaar verkauft, als der Besitzer unseres Objektes in Italien auf Drängen seiner Kinder die Zusage zurücknahm, es uns zu geben. Weihnachten stand vor der Tür und wir lebten quasi in einem Haus, das uns juristisch nur noch bedingt gehörte. Nach den Feiertagen rief uns der französische Notar an und riet, wir sollten den notariellen Kaufvertrag noch vor Jahreswechsel ratifizieren, weil ab Januar die Grunderwerbsteuer drastisch erhöht werde. Wir mussten ergo entscheiden, ob wir unsere potenziellen Käufer weiter hinhalten sollten oder Nägel mit Köpfen machen samt dem Risiko, gewissermaßen für einige Zeit obdachlos zu sein. In dieser Situation kam mir das obige Zitat von Laotse in den Sinn und ich schritt zur Tat. Ich ging das Wagnis ein und informierte unsere Käufer, dass bis spätestens 31. Dezember aus den besagten Gründen der Kaufvertrag unter Dach und Fach gebracht werden müsse. Der Entschluss zahlte sich aus: das Käuferpaar lehnte empört den Weg zum Notar ab, man habe das Geld so kurzfristig nicht bereit und sie würden darum vom Vorvertrag mit sofortiger Wirkung zurücktreten. Wir hatten also unser Haus mit allen Rechten wieder – Laotses Rat hatte ins Schwarze getroffen. Weiterlesen

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