Tut ab die Heiligkeit, werft weg das Wissen, so wird das Volk hundertfach genesen.
Tut ab die Sittlichkeit, werft weg die Pflicht,so wird das Volk zu Kindespflicht und Liebe zurückkehren.
Tut ab die Geschicklichkeit, werft weg den Gewinn,so wird es Diebe und Räuber nicht mehr geben.
In diesen drei Stücken ist der schöne Schein nicht ausreichend.
Darum sorgt dafür, dass die Menschen sich an etwas halten können.
Zeigt Einfachheit, haltet die Lauterkeit fest.
Mindert die Selbstsucht, verringert die Begierden.
Gebt auf die Gelehrsamkeit, so werdet ihr frei von Sorgen.
Laotses 19. Spruch könnte für das beginnende dritte Jahrtausend verfasst worden sein. Chuang tzu hat fünfhundert Jahre später mit Bezug auf den Text wütend gegen den Zustand der damaligen Zivilisation protestiert, gegen die Heuchelei, die Volksverdummung und die Kriminalität. Er zieht die Sicherheitssysteme gegen Diebe ins Lächerliche: Die Vorsichtsmaßnahmen, die man gegen Diebe trifft, die Truhen öffnen, Beutel durchsuchen und Kassen ausrauben, bestehen darin, dass man diese mit Stricken, Riegeln und Schlössern sichert. Das nennt die Welt dann Klugheit. Aber ein großer Dieb geht her und trägt den Kasten auf seinen Schultern fort, samt Kisten und Beuteln, und sucht mit ihnen das Weite. Seine einzige Sorge ist, dicke Stricke und Schlösser könnten nicht fest genug sein. Ist darum das, was die Welt Klugheit nennt, im Grunde nicht nur ein Aufbewahren für einen starken Dieb? Ich wage sogar zu behaupten, dass nichts von dem, was die Welt Klugheit heißt, etwas anderes ist, als ein Aufbewahren für große Diebe, und nichts von dem, was die Welt Gelehrtenwissen nennt, etwas anderes ist, als ein Aufstapeln für die Räuber. Weiterlesen
























