An der Quelle des Tao 19

Tut ab die Heiligkeit, werft weg das Wissen, so wird das Volk hundertfach genesen.

Tut ab die Sittlichkeit, werft weg die Pflicht,so wird das Volk zu Kindespflicht und Liebe zurückkehren.

Tut ab die Geschicklichkeit, werft weg den Gewinn,so wird es Diebe und Räuber nicht mehr geben.

In diesen drei Stücken ist der schöne Schein nicht ausreichend.

Darum sorgt dafür, dass die Menschen sich an etwas halten können.

Zeigt Einfachheit, haltet die Lauterkeit fest.

Mindert  die Selbstsucht, verringert die Begierden.

Gebt auf die Gelehrsamkeit, so werdet ihr frei von Sorgen.

 

Laotses 19. Spruch könnte für das beginnende dritte Jahrtausend verfasst worden sein. Chuang tzu hat fünfhundert Jahre später mit Bezug auf den Text wütend gegen den Zustand der damaligen Zivilisation protestiert, gegen die Heuchelei, die Volksverdummung und die Kriminalität. Er zieht die Sicherheitssysteme gegen Diebe ins Lächerliche: Die Vorsichtsmaßnahmen, die man gegen Diebe trifft, die Truhen öffnen, Beutel durchsuchen und Kassen ausrauben, bestehen darin, dass man diese mit Stricken, Riegeln und Schlössern sichert. Das nennt die Welt dann Klugheit. Aber ein großer Dieb geht her und trägt den Kasten auf seinen Schultern fort, samt Kisten und Beuteln, und sucht mit ihnen das Weite. Seine einzige Sorge ist, dicke Stricke und Schlösser könnten nicht fest genug sein. Ist darum das, was die Welt Klugheit nennt, im Grunde nicht nur ein Aufbewahren für einen starken Dieb? Ich wage sogar zu behaupten, dass nichts von dem, was die Welt Klugheit heißt, etwas anderes ist, als ein Aufbewahren für große Diebe, und nichts von dem, was die Welt Gelehrtenwissen nennt, etwas anderes ist, als ein Aufstapeln für die Räuber. Weiterlesen

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Ein Refugium für Naturfreunde

 

 

 

Mitten in der Natur, in den grünen Hügeln der Alta Langa liegt die Cascina la Costa im südlichen Piemont in Italien. Hier sagen sich nicht nur Fuchs und Hase gute Nacht, hier steht auch mal ein Reh auf dem Hof oder ein Dachs läuft den Weg entlang. Mit etwas Glück sieht man Feuersalamander, Kröten, verschiedene Greifvögel und viele Schmetterlinge. Im April wachsen wilde Orchideen und die Wälder sind naturbelassen und werden nicht gefegt. Das gilt allerdings auch für die Wanderwege, wo man sich manchmal etwas durch die Wildnis arbeiten muss.

Also nichts für verwöhnte Luxusgäste, sondern für Menschen, denen die Natur wichtig ist und die den Bezug zu ihr nicht verlieren wollen.

Was natürlich keinen Gast daran hindern sollte, bekannte Orte wie Barolo oder Alba zu besuchen, eine Weinprobe zu machen oder eines der berühmten piemontesischen Menus zu genießen. Die es übrigens bei entsprechender Ansage auch vegetarisch gibt.

Und da die Natur auch viel mit dem Taoismus zu tun hat, passt beides hier perfekt zusammen.

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An der Quelle des Tao 44

Der Name oder die Person: was steht näher?

Die Person oder der Besitz: was ist mehr?

Gewinnen oder verlieren: was ist schlimmer?

Nun aber:

Wer sein Herz an anderes hängt, verbraucht notwendig Großes.

Wer viel sammelt, verliert notwendig Wichtiges.

Wer sich genügen lässt, kommt nicht in Schande.

Wer Einhalt zu tun weiß,kommt nicht in Gefahr

und kann ewig dauern.

Mir will manchmal scheinen, dass Laotse ab und zu bereits vorhandene Texte nahm, sie ein wenig drehte und wendete – und siehe da: schon war wieder ein Spruch geboren. Auch macht mich diesmal die Sprache von Richard Wilhelm nicht besonders glücklich. Der gleiche Spruch in der Übersetzung von Lin Yutang liest sich geschmeidiger:

Ruhm oder das eigene Leben – was von beiden liebt man mehr? Das eigene Leben oder materielle Güter, was von beiden ist mehr wert? Verlust des Selbst oder der Besitz von Gütern – was davon ist das größere Übel? Wer am meisten liebt, gibt am meisten aus. Wer viel anhäuft, verliert viel. Dem Zufriedenen widerfährt keine Schande. Wer weiß, wann er aufhören soll gerät nicht in Gefahr und kann lange überdauern.

Aus diesen Zeilen lassen sich ohne weitere Auslegung Ansätze von Lebensregeln herauslesen. Chuang tzu kommentiert den Spruch mit ausladenden fiktiven Dialogen, die ich Ihnen ersparen werde. Eine abschließende Zusammenfassung, von der ich nicht sicher bin, ob sie aus seiner Feder – sprich seinem Pinsel – stammt, nimmt nichtsdestoweniger relativ deutlich Stellung: Weiterlesen

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Weihnachten 2025

Weihnachten 2025Allen Taolesern und Taoleserinnen wünsche ich frohe Weihnachten und ein                                                      gutes  Neues Jahr!                                                                   

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An der Quelle des Tao 35

Wer das große Urbild festhält, zu dem kommt die Welt.

 Sie kommt und wird nicht verletzt,in Ruhe, Gleichheit und Seligkeit.

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Du schaust nach ihm und siehst nichts Besonderes.

Du horchst nach ihm und hörst nichts Besonders.

Du handelst nach ihm und findest kein Ende.

Chuang tzu kommentiert Laotses 35. Spruch in Gestalt eines erfundenen Dialoges zwischen Liehtse und einem Mann namens Kuanyin. In diesem Gespräch wird Liehtse, der in seinem Werk die Herrschaft des Geistes über den Stoff betont, von seinem fiktiven Gesprächspartner über die Hauptströmungen des Denkens belehrt. (Kuanyin war der Wächter des Passes, der Laotse überredete, das Buch vom Tao zu schreiben.)

„Der vollkommene Mensch geht unerkannt in der Welt umher und begegnet keinen Hindernissen“ sagte Liehtse zu Kuanyin. „Er schreitet auf Feuer, ohne die Hitze zu fühlen, und wandert furchtlos auf großen Höhen. Wie vermag er das zu tun?“

„Das kommt von der vollkommenen Konzentration des Geistes“, erwiderte Kuanyin. „Er gehört einer völlig anderen Seinsordnung an als menschliche Klugheit und physischer Mut. Lasst mich das erklären: Alles, was Ton, Farbe und Aussehen besitzt, gehört zu den stofflichen Dingen. Ein stoffliches Ding kann von einem anderen stofflichen Ding nicht allzu weit entfernt sein und kann von ihm aus nicht in die Nicht-Sinnenwelt hinaufreichen. Aber die Dinge sind aus dem Gestaltlosen geschaffen und kehren zum Unvergänglichen zurück. Wer an dem Tao festhält und ihm immerfort nachstrebt, kann durch die stofflichen Dinge nicht behindert werden.“

Lin Yutang fasst den Kommentar zusammen: Das Ergebnis einer solchen Vermengung von Tun und Nichttun, eines Lebens, das sich sowohl oberhalb der Welt, als auch notwendigerweise innerhalb derselben abspielt, ist eine Geisteshaltung, die man Milde oder Reife nennen könnte, und die die Haupttugend des Taoisten ist.

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An der Quelle des Tao 79

Versöhnt man großen Groll, und es bleibt noch Groll übrig,

wie wäre das gut?

Darum hält der Berufene sich an seine Pflicht

und verlangt nichts von anderen.

Darum: Wer LEBEN hat, hält sich an seine Pflicht,

wer kein LEBEN hat, hält sich an sein Recht.

Der große Groll ist in unseren Tagen leider überall auf der Welt in Gestalt von Gewaltbereitschaft zu finden. Wir selbst sind nicht frei davon. Gewiss erinnern Sie sich an Situationen, in denen Sie am liebsten, wie man im Volksmund sagt, mit Eisenbahnschienen dreingeschlagen hätten. Laotse wusste einst auch ohne Studium der Psychologie, dass selbst bei einem Lebensmodell der Gewaltlosigkeit im menschlichen Stammhirn Rudimente urtümlicher Gewaltbereitschaft schlummern. Dass so etwas nicht gut ist, braucht er uns in seinem neunundsiebzigsten Spruch nicht erst mit seiner Frage „wie wäre das gut?“ unter die Nase zu reiben. Ihr Gehirn – und natürlich auch meines – ist das Gehirn der Menschheit, das sich in Jahrmillionen zu seinem heutigen Stand entwickelt hat. Mit seinen Überbleibseln aus der Reptilienvergangenheit scheint es noch immer nicht genügend Zellverbände entwickelt zu haben, die ein friedliches Zusammenleben mit Artgenossen, geschweige denn mit anderen Lebewesen garantieren. Immerhin hat die Vernunft insoweit gesiegt, dass es inzwischen weltweite Abkommen gegen den Missbrauch von Massenvernichtungswaffen gibt, so dass unser Planet wohl noch eine längere Zeitspanne unter seinen Bewohnern wie unter Parasitenbefall zu leiden haben wird. Nichtsdestoweniger, und allen Heils- und Friedensbotschaften zum Trotz, bleibt nach der Versöhnung leider noch eine gewaltige Restmenge des großen Grolls übrig. Menschen hassen sich, und dies primär ihrer unterschiedlichen Überzeugungen wegen. Dass die Güter dieser Welt ungerecht verteilt sind, ist kein Geheimnis. Die Massen leiden unter der Raffgier und den Monopolen der Reichen. Aber dort, wo man sich zur Wehr setzt, sind nicht etwa diese Monopolisten die Opfer – es sind nur ähnlich Arme, die zu ihrem Pech eben eine andere Weltanschauung haben als die verzweifelten Aggressoren. Laotse hat die einstigen Zustände beinahe höflich kritisiert, aber man spürt beim Hineinfühlen doch die Resignation heraus, mit der die Zeilen verfasst worden sind. Weiterlesen

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La Costa im Oktober

Im Oktober gibt es noch ein paar freie Zeiten in den Ferinwohnungen.

Ich habe euch ein paar Herbstbilder von La Costa mitgebracht, um euch zu zeigen, wie schön es um diese Jahreszeit hier noch ist.

 

 

 

 

 

 

Das ist die Aussicht auf die herbstlichen Berge, in denen man jetzt noch wunderbar wandern kann.  Oder man legt sich einfach in den Liegestuhl auf dem Hof.

Die Yuccas blühen zum 2. Mal.

Die Bienen genießen die Herbstsonne

und die Gottesanbeterin frißt ihre BeuteMan kann in der Keramikwerkstatt selbständig arbeiten oder einen Kurs machen.

Auf dem Flügel in der Cantina üben 

 

 

 

 

 

oder mit anderen zusammen einen Kammermusikkurs belegen

Oder man bringt sich eigene Arbeiten mit und arbeitet auf dem Hof oder in der Werkstatt.

 

 

Man kann sich aber auch einfach in den Liegestuhl auf dem Fienile legen und die Stille genießen.

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An der Quelle des Tao 79

Versöhnt man großen Groll, und es bleibt noch Groll übrig,

wie wäre das gut?

Darum hält der Berufene sich an seine Pflicht und verlangt nichts von anderen.

Darum: Wer LEBEN hat, hält sich an seine Pflicht,

wer kein LEBEN hat, hält sich an sein Recht.

Der große Groll ist in unseren Tagen leider überall auf der Welt in Gestalt von Gewaltbereitschaft zu finden. Wir selbst sind nicht frei davon. Gewiss erinnern Sie sich an Situationen, in denen Sie am liebsten, wie man im Volksmund sagt, mit Eisenbahnschienen dreingeschlagen hätten. Laotse wusste einst auch ohne Studium der Psychologie, dass selbst bei einem Lebensmodell der Gewaltlosigkeit im menschlichen Stammhirn Rudimente urtümlicher Gewaltbereitschaft schlummern. Dass so etwas nicht gut ist, braucht er uns in seinem neunundsiebzigsten Spruch nicht erst mit seiner Frage „wie wäre das gut?“ unter die Nase zu reiben. Ihr Gehirn – und natürlich auch meines – ist das Gehirn der Menschheit, das sich in Jahrmillionen zu seinem heutigen Stand entwickelt hat. Mit seinen Überbleibseln aus der Reptilienvergangenheit scheint es noch immer nicht genügend Zellverbände entwickelt zu haben, die ein friedliches Zusammenleben mit Artgenossen, geschweige denn mit anderen Lebewesen garantieren. Immerhin hat die Vernunft insoweit gesiegt, dass es inzwischen weltweite Abkommen gegen den Missbrauch von Massenvernichtungswaffen gibt, so dass unser Planet wohl noch eine längere Zeitspanne unter seinen Bewohnern wie unter Parasitenbefall zu leiden haben wird. Nichtsdestoweniger, und allen Heils- und Friedensbotschaften zum Trotz, bleibt nach der Versöhnung leider noch eine gewaltige Restmenge des großen Grolls übrig. Menschen hassen sich, und dies primär ihrer unterschiedlichen Überzeugungen wegen. Dass die Güter dieser Welt ungerecht verteilt sind, ist kein Geheimnis. Die Massen leiden unter der Raffgier und den Monopolen der Reichen. Aber dort, wo man sich zur Wehr setzt, sind nicht etwa diese Monopolisten die Opfer – es sind nur ähnlich Arme, die zu ihrem Pech eben eine andere Weltanschauung haben als die verzweifelten Aggressoren. Laotse hat die einstigen Zustände beinahe höflich kritisiert, aber man spürt beim Hineinfühlen doch die Resignation heraus, mit der die Zeilen verfasst worden sind. Weiterlesen

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Ferien abseits vom Mainstream

Die Ruhe mit Blick auf die Berge

Man muss kein/e Taoist/in sein, um auf La Costa einen Urlaub zu verbringen. Wer die Natur liebt, die Stille nach dem hektischen Alltag sucht und nicht mehr auf der Suche ist nach spektakulären Highlights findet hier eine Ferienwohnung, die all das nicht bietet, was andere anpreisen. Es gibt keinen Swimmingpool, keine Wellnessanlage, keinen Fitnessraum, keinen Fernseher und keine Gästebespaßung.

Dafür ein altes, liebevoll renoviertes Weinbauernhaus mit 2 Ferienwohnungen, die das bieten, was man in den Ferien wirklich braucht. Einen Wohnraum mit Küche – Gasherd, Kühlschrank, Geschirr, Kaffeemaschine – ein Schlafzimmer mit Doppelbett – Kinderbett oder zusätzliches Klappbett auf Anfrage – und ein Bad mit Dusche, Waschbecken und WC.

Außerdem Sitzplätze auf dem Hof, im Garten und in der Veranda.

Weitere Informationen und viele Fotos auf http://www.cascinalacosta.com

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An der Quelle des Tao 37

 

Das Tao ist ewig ohne Machen, und nichts bleibt ungemacht.

Wenn Fürsten und Könige es zu wahren verstehen,

werden alle Dinge sich von selber gestalten.

Gestalten sie sich und es erheben sich die Begierden,

so würde ich sie durch namenlose Einfalt bannen.

Namenlose Einfalt bewirkt Wunschlosigkeit.

Wunschlosigkeit macht still, und die Welt wird von selber recht.

 

Laotses 37. Spruch enthält den berühmten Satz vom unbewegten Tao, das dennoch nichts ungetan lässt. Die Verben „machen“ und „ungemacht“ sind sprachlich nicht schön, aber so hat es der Übersetzer eben gewollt, beziehungsweise aus den chinesischen Schriftzeichen herausgelesen. Ich ziehe in unserer modernen Sprache die Formulierung „und dennoch bleibt nichts unerledigt“ vor, aber wie man es auch ausdrückt, die Inhalte des Tao te king müssen von innen heraus verstanden werden und die Sprache ist letztlich die kleinere Hürde, die bei der Beschäftigung mit dem Taoismus zu nehmen ist. Lin Yutang kommentiert die englische Übersetzung des Spruches auch nicht gerade allgemeinverständlich: Der Spruch behandelt die These, dass Ruhe und Untätigkeit den Zustand der unverdorbenen Natur, der Quelle der Macht darstellen. Gleichzeitig ist uns aber auch klar, dass eine völlige Abkehr von aller Tätigkeit unmöglich ist, da wir ja in der Menschenwelt leben. Man gelangt somit zu der sich daraus ergebenden Haltung einer milden Passivität, einer nachsichtigen Gelassenheit als der weisesten Lebensform. In dem Spruch findet sich die vielleicht vollständige Schilderung der Lehre von der Untätigkeit, die sich auf  die Nachfolge der Natur und des schweigenden Wirkens des Alls gründet und gelassene Passivität sowie eine milde, gereifte Haltung als die Einstellung des Weisen zum Leben empfiehlt. 

Vom Standpunkt der Quantenphysik ließe sich das Wirken des Tao in die Kategorie „Selbstorganisation“ einordnen. Das Tao wäre das „Feld“ der Physiker, dessen unerschöpfliche Energie die Teilchen zum Tanzen bringt. Könnte man Laotse im Jahr 2009 mit der neuzeitlichen Physik samt der Kopenhagener Deutung bekannt machen, möchte ich wetten, dass er gegen diese Auslegung Einwände vorzubringen hätte. Er würde geltend machen, die Wissenschaft könne nur Wirkungen analysieren und beschreiben, aber dennoch die Ursache nicht kennen. Bereits „Feld“ oder wie immer man die Quelle aller Lebensenergie taufen wolle, sei letztlich nur das Synonym für „Unbekannt“, eine Behelfsbrücke, welche die Kluft zwischen dem Analysierten und seiner nicht beschreibbaren Quelle überbrücken solle. Dafür wäre Laotse freilich fähig, den Forschern ein anderes Phänomen zu erklären, das seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1927 das Rätsel um die Funktion des menschlichen Bewusstseins so unlösbar erscheinen lässt: die Tatsache nämlich, dass subatomare Prozesse anscheinend nur dann geschehen, wenn sie jemand beobachtet. Dass ohne den Beobachter absolut nichts stattzufinden scheint. Und dass der lineare Verlauf der Zeit auf dieser kleinsten materiellen Ebene offenbar ebenfalls außer Kraft gesetzt ist. Der Verfasser der 81 Sprüche des Tao te king würde lächelnd die uralte Frage, ob zuerst das Huhn oder das Ei da war, als Beispiel wählen. Laotses weise Züge würden zum Grinsen werden, wenn er sagte: Ohne eure Beobachtung gibt es weder Ei noch Huhn. Und das Huhn war ebenso zuerst da wie das Ei. Denn das Huhn legt das Ei, aus dem es Wochen später selber schlüpft. Weiterlesen

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