Wer das große Urbild festhält, zu dem kommt die Welt.
Sie kommt und wird nicht verletzt,in Ruhe, Gleichheit und Seligkeit.
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Du schaust nach ihm und siehst nichts Besonderes.
Du horchst nach ihm und hörst nichts Besonders.
Du handelst nach ihm und findest kein Ende.
Chuang tzu kommentiert Laotses 35. Spruch in Gestalt eines erfundenen Dialoges zwischen Liehtse und einem Mann namens Kuanyin. In diesem Gespräch wird Liehtse, der in seinem Werk die Herrschaft des Geistes über den Stoff betont, von seinem fiktiven Gesprächspartner über die Hauptströmungen des Denkens belehrt. (Kuanyin war der Wächter des Passes, der Laotse überredete, das Buch vom Tao zu schreiben.)
„Der vollkommene Mensch geht unerkannt in der Welt umher und begegnet keinen Hindernissen“ sagte Liehtse zu Kuanyin. „Er schreitet auf Feuer, ohne die Hitze zu fühlen, und wandert furchtlos auf großen Höhen. Wie vermag er das zu tun?“
„Das kommt von der vollkommenen Konzentration des Geistes“, erwiderte Kuanyin. „Er gehört einer völlig anderen Seinsordnung an als menschliche Klugheit und physischer Mut. Lasst mich das erklären: Alles, was Ton, Farbe und Aussehen besitzt, gehört zu den stofflichen Dingen. Ein stoffliches Ding kann von einem anderen stofflichen Ding nicht allzu weit entfernt sein und kann von ihm aus nicht in die Nicht-Sinnenwelt hinaufreichen. Aber die Dinge sind aus dem Gestaltlosen geschaffen und kehren zum Unvergänglichen zurück. Wer an dem Tao festhält und ihm immerfort nachstrebt, kann durch die stofflichen Dinge nicht behindert werden.“
Lin Yutang fasst den Kommentar zusammen: Das Ergebnis einer solchen Vermengung von Tun und Nichttun, eines Lebens, das sich sowohl oberhalb der Welt, als auch notwendigerweise innerhalb derselben abspielt, ist eine Geisteshaltung, die man Milde oder Reife nennen könnte, und die die Haupttugend des Taoisten ist.













