Osterseminar

16 Jahre lang gab es jedes Osterfest ein Seminar bei uns. Als Erinnerung daran habe ich Euch heute eine Seminaraufgabe mitgebracht:

Der chinesische Dichter Han Shan war ein Vollblut-Taoist, versponnen, weise, lebensfroh – und wenig anspruchsvoll. Wer als reformgeängstigter Deutscher seine Gedichte liest, wird sich kaum vorstellen können, dass er sich Sorgen über die Bemessungsgrundlage der Beiträge für die Zusatzversicherung für Zahnersatz gemacht oder wegen Harz vier schlaflose Nächte verbracht hätte. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er einen Menschentyp glossiert, der uns verzweifelt bekannt vorkommt.

In diesen Tagen gibt es eine Art von Menschen,

die sind nicht böse aber auch nicht gut.

Sie wissen nicht was es bedeutet, Herr im Haus zu sein.

Als Vagabunden wohnen sie mal hier, mal da.

Doch die auf ihre Weise ihre Zeit vergeuden,

sind nichts als stumpfsinnige Fleischklumpen.

Wenngleich sie auch einen magischen Turm besitzen,

führen sie doch ein Sklavendasein

Han Shan

 

Aufgabe:

Mit Herr im Haus ist aus taoistischer Sicht der Einfluss gemeint, den wir in Wahrheit auf unsere Gefühle und Gedanken haben. Wir halten uns für die Denker unserer Gedanken und trauen uns zu, aus dem Bauch heraus zu fühlen, was richtig und was falsch ist. Aber in unsere Intuitionen mischen sich dauernd Zweifel und störende Gedanken ein und die Gedanken lassen sich auch nicht abschalten wie eine Nachttischlampe. Wir wollen mit dieser Aufgabe herausfinden, warum wir so ohnmächtig sind. Forsche in dir nach den Ursachen  und schreibe sie auf .

 

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4 Antworten zu Osterseminar

  1. Albecker, Eva sagt:

    Hallo Sabine, vor einigen Jahren waren Klaus und ich auf einem Seminar bei euch, das wir nicht mehr vergessen haben. Wir wohnten zu der Zeit in Tiefenbach und haben Freunden von euch, die auch da wohnten, etwas von euch überbracht. Vielleicht erinnerst du dich ja noch.
    Wir haben euch nicht aus den Augen verloren. Klaus hattte Tag und Tao abonniert und dann auch die Internetseite gefunden. So haben wir natürlich auch Theos Abschied mitverfolgt und waren in Gedanken immer wieder bei ihm und bei dir.
    Nun freue ich mich sehr, dass Theo durch dich weiterlebt in diesen kleinen Sequenzen. Danke für alles und alles Gute wünschen dir Klaus und Eva

  2. gitti sagt:

    Hallo und liebe Grüße an Alle!
    Ich kenne den Spruch von Han Shan schon länger und habe mir meine Gedanken gemacht.
    Ich stelle die Fragen ……..ist es eine Gnade den magischen Turm in sich zu sehen?, die „stumpfsinnigen Fleischklumpen“ die mit ihrer Gleichgültigkeit so viel kaputt machen, wie mit ihnen umgehen…?
    Den magischen Turm in sich zu fühlen macht einem sensibel, wach und aufrichtig, doch wirklich ändern können wir nichts, denn der Stumpfsinnige macht alles Lebendige wieder kaputt,ähnlich bei Camus (der Mythos des Sisyphos).
    Im TAO heißt es mit den Dingen gehen,im Fluß bleiben und jetzt mitten im Schreiben spüre ich das Ganze in mir und weiß „alles ist gut so wie es ist“.

  3. luzikus sagt:

    „Wer als reformgeängstigter Deutscher seine Gedichte liest, wird sich kaum vorstellen können, dass er sich Sorgen über die Bemessungsgrundlage der Beiträge für die Zusatzversicherung für Zahnersatz gemacht oder wegen Harz vier schlaflose Nächte verbracht hätte.“ wohl wahr, wohl wahr

  4. Matthias sagt:

    Eine wahrlich anspruchsvolle Aufgabe!
    Sie hat mich einige Zeit beschäftigt und tut es immer noch.

    Unter „Herr im Haus“ sein verstehe ich, in sich zu „wohnen“, also ganz bei sich und Ursprung der eigenen Orientierung zu sein, mit dem inneren „magischen Turm“ als Leuchtfeuer.
    Im Unterschied zu den „Vagabunden“, die mal hier, mal da wohnen, also ihre Orientierung im Außen suchen und daher ständig „außer sich“ sind.

    Und diese Außenorientierung ist ein Grund für die Zweifel und störenden Gedanken. Was könnten schließlich die Anderen denken, wenn ich einfach meiner Intuition folge?!
    Andere Gründe lassen sich leicht hinzufügen.

    Aber: Ist es nur so, dass meine Gedanken meine Intuition „stören“? Sind meine Intuitionen nicht ebenso störend? Auch sie lassen sich nicht wie eine Nachttischlampe ausschalten. Allerdings verlernen wir im Laufe der Zeit, auf unsere Intuition zu hören, weil in unserem Kulturkreis auf das Denken mehr Gewicht gelegt wird.

    Bin ich wirklich den Gedanken und Intuitionen gegenüber machtlos?
    Das setzte ja voraus, dass es etwas in mir gäbe, das Macht über mich ausüben kann.
    Sicher, manchmal fühle ich mich machtlos. Ich bin es aber nicht, da ich es doch bin, der denkt und intuitiv handelt.
    Also sind es nicht die bösen Gedanken, die irgendwie eigenständig meine Intuition stören, sondern bin ich es, der sie als Störfaktor einsetzt, weil ich meiner Intuition nicht traue?
    Gedanken empfinde ich dann als störend, wenn sie zur falschen Zeit dominant werden. Das passiert in der Regel, wenn Ruhe im Betriebsablauf einkehrt, also wenn ich mich schlafen lege oder sonst nicht mehr von Alltagsdingen beschäftigt werde.
    Einfach abschalten geht – wie gesagt – nicht, umlenken vielleicht. Was kann ich also tun? Vielleicht erst einmal lernen, sie nicht als störend zu empfinden.

    Herzliche Grüße,
    Matthias

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